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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Wirtschaftsinformationen Wie kommuniziere ich mit meiner Hausbank

Wie kommuniziere ich mit meiner Hausbank


Creditreform Magazin, 09.08.2010

Bei der Diskussion über eine mögliche Kreditklemme wird als Hauptursache häufig der Mangel an Eigenkapital auf Seiten der kreditgebenden Banken angeführt. Dieser Erklärungsansatz blendet allerdings aus, dass die Kreditverknappung auch das Resultat neuer Kreditregeln und Ratingsysteme ist, die bei der Beurteilung mittelständischer Unternehmen zum Einsatz kommen. Von zentraler Bedeutung sind dabei neue Vorschriften wie die Eigenkapitalrichtlinien nach Basel II und die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk). Die auf diesen Normen basierenden Ratingsysteme müssen sich derzeit erstmals unter Krisenbedingungen bewähren. "Es ist zu befürchten, dass sich das Kreditrating bei knapp 80 Prozent aller Unternehmen in Folge der Wirtschaftskrise bereits deutlich verschlechtert hat oder sich spätestens bei der Bewertung auf Basis der Geschäftszahlen für 2009 verschlechtern wird. Die Folge werden unter anderem Änderungen bei den Konditionen, die Kürzung von Kreditlinien und eine Neubewertung von Sicherheiten sein", so Thomas Schulz von Creditreform Dresden.

Unternehmen, die dieser Entwicklung entgegenwirken wollen, können sich über eine offene Finanzkommunikation gegenüber ihrer Hausbank aktiv in die Steuerung ihres Kreditratings einbringen. Grundvoraussetzung dabei sind Kenntnisse über die Funktionsweise und die Einflussfaktoren des bankinternen Ratingsystems. Denn neben den klassischen Finanzkennziffern berücksichtigen moderne Ratingsysteme bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit auch Kriterien wie Managementqualität, Marktumfeld, Investitionsplanung oder unternehmensspezifische Risiken. "Stellt uns ein Mittelständler hierzu regelmäßig aktuelle Kennzahlen zu seinem Unternehmen zur Verfügung, ist die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit gelegt. Mit klarer Sicht auf die tatsächliche Lage des Unternehmens können dann mögliche Finanzierungsszenarien entworfen werden, die der jeweiligen Unternehmenssituation gerecht werden", so Jens Kobarg, Direktor Unternehmenskunden der Ostsächsischen Sparkasse Dresden.

Dass die offene und intensive Finanzkommunikation zwischen Unternehmen und Bank ein Erfolgsrezept ist, bringen die Ergebnisse einer aktuellen Studie des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft der Ruhr-Universität Bochum (IKF) auf den Punkt: Firmen, die ihre Kapitalgeber nicht nur mit Routineinformationen wie Bilanz und GuV-Rechnung versorgen, sondern sie zeitnah, umfassend und persönlich informieren, haben Vorteile bei der Finanzierung ihres Geschäfts. Sie müssen in der Regel weniger Sicherheiten stellen, haben mehr Mittel zur Verfügung und können in Notfällen mit Hilfe rechnen. Die Studie belegt aber auch, dass es zwischen den Geschäftspartnern oft noch eine dramatische Kommunikationsklemme gibt, die sich in der globalen Finanzkrise zu einer Kreditklemme ausweiten kann.

Mit einem Plus an Transparenz gegenüber der Hausbank leisten Mittelständler einen wichtigen Beitrag dazu, vorhandene Kommunikationsdefizite abzubauen. Gleiches gilt für den Informationsaustausch mit Wirtschaftsauskunfteien und Warenkreditversicherern. Auch hier trägt ein offensiver Umgang mit den eigenen Kennzahlen dazu bei, die Kreditwürdigkeit zu kommunizieren und Finanzierungsmöglichkeiten auszubauen. Dabei sollten immer auch solche Themen zur Sprache kommen, bei denen Defizite vermutet werden. Hier sind etwa unternehmerische Langfristperspektiven in Familienbetrieben, eine ausreichende Eigenkapitalausstattung, strategische Konzepte in der Unternehmensführung und die Offenheit in der Kommunikation zu nennen. Darüber hinaus sollte die wirtschaftliche Situation des Unternehmens in allen Facetten offengelegt und regelmäßig über die strategische Entscheidungen und die geschäftliche Entwicklung informiert werden. Dass dies auch im Fall einer negativen Unternehmensentwicklung gilt, muss in der Finanzkommunikation zwischen Unternehmen und Interessengruppen wie Banken oder Wirtschaftsauskunfteien zur Normalität werden.



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